Laura Ludwig im Interview


Laura Ludwig im Interview: „Es gibt nichts Schöneres, als sein ganzes Leben schwarz auf weiß zu haben."

Laura Ludwig zählt zu den erfolgreichsten deutschen Beachvolleyballerinnen. Ihren größten Erfolg feierte sie mit ihrem Olympiasieg 2016 an der Seite ihrer langjährigen Spielpartnerin Kira Walkenhorst. In ihrer Autobiografie „Gold ist eine Glaubensfrage“ (EDEL SPORTS, mit Alexandra Muz Huber) erzählt Laura Ludwig nun ihre Erfolgsgeschichte. Sie berichtet nicht nur von ihren großen Siegen, sondern auch von schmerzhaften Rückschlägen und Krisen. EDEL SPORTS hat mit Laura Ludwig über ihren Traum von den fünften Olympischen Spielen, ihr Leben als zweifache Mutter und die Arbeit an ihrem Buch gesprochen.

Laura Ludwig sitzt am Hamburger Hafen

Laura Ludwig am Hamburger Hafen © Mirja Geh

Laura Ludwig im EDEL SPORTS-Interview

Laura, zunächst gilt es zu gratulieren. Im Mai kam mit Lenny dein zweiter Sohn auf die Welt, kurz zuvor hattest du geheiratet. Du hast als zweiten Namen den Nachnamen deines Mannes Imornefe Bowes angenommen. Hast du den neuen Schriftzug „Ludwig-Bowes“ schon geübt?

Laura Ludwig: Ich habe ein paar Behördensachen erledigen müssen und dabei auch schon mit dem neuen Namen unterschrieben. Aber sonst? Ich glaube, abseits der offiziellen Dinge werde ich immer Laura Ludwig bleiben. Aber ich wollte damit meine Verbindung zu meinen drei Männern ausdrücken, denn die heißen allesamt Bowes.

 

Deine drei Männer sind neben deinem Mann, neben Lenny noch dein Sohn Teo, der im Sommer 2018 geboren wurde. Das Leben im Hause Ludwig-Bowes dürfte entsprechend turbulent sein. An Leistungssport ist derzeit wahrscheinlich kaum zu denken.

Laura Ludwig: In der Tat. Aber ich mache jeden Tag zumindest eine kleine Einheit. In unserem neuen Haus in Halstenbek haben wir den entsprechenden Platz, sogar einen kleinen Kraftraum. Ich muss also nicht irgendwo hinfahren, das finde ich wunderbar. Ich fühle mich gerade tierisch wohl.

Laura Ludwig mit ihrem Mann und ihrem Sohn

Laura Ludwig mit Familie © Mirja Geh

Hast du mal überlegt, im Garten ein Beachvolleyfeld aufzubauen? Dein Mann war ja schließlich mal dein Headcoach.

Laura Ludwig (lacht): Nein, ich glaube, das hätte meinem Mann nicht gefallen. Aber wir haben den großen Vorteil, dass die nächste Beachvolleyballanlage nur drei Fahrradminuten entfernt liegt.

 

Hast du Ddch nach der Geburt deines ersten Kindes mehr unter Druck gesetzt?

Laura Ludwig: Ja, damals war ich wirklich nervös. Ich habe nur gedacht, wie soll ich das nur schaffen. Ich kam ja kaum zum Duschen. Wie sollte ich dann da noch trainieren? Jetzt gehe ich es deutlich entspannter an. Wobei ich mir die WM in Rom im Fernsehen angeschaut habe. Und es hat wieder gekribbelt. Ich komme von dieser Sportart nicht los.

 

Dein Triumph an der Seite von Kira Walkenhorst zählte zu den Gänsehautmomenten der Spiele 2016 in Rio. Was ist deine erste spontane Erinnerung an den Sieg im Finale über das brasilianische Duo?

Laura Ludwig: Wir hatten den zweiten Matchball. Der gegnerische Aufschlag – und der Ball flog ins Aus.  Die nächsten Momente waren unglaublich, unwirklich, unvergesslich. Ich hörte mich schreien, sah Kira an. Dann fielen wir uns in die Arme. Die Freude war unbeschreiblich. Wir hatten unseren Traum verwirklicht. Wir waren Olympiasiegerinnen.

Laura Ludwig und Kira Walkenforst am Strand mit Brasilienflagge

Laura Ludwig und Kira Walkenforst 2016 © Mirja Geh

Wie oft hast du dir das Spiel noch einmal als Video angesehen?

Laura Ludwig: Dieses Spiel schaue ich mir immer wieder gerne an. Auch um mich in sportlich schwierigen Phasen aufzumuntern. Es waren so viele perfekte Momente dabei. Und die Bilder motivieren mich.

 

Wo hast du deine Goldmedaille aufbewahrt?

Laura Ludwig: Noch liegt sie sicher verwarnt in einem Umzugskarton. Ich muss für sie noch ein schönes Plätzchen finden. Es gab Momente, wo ich sie mir angeschaut habe, um mich daran zu erinnern, dass nicht immer alles perfekt laufen muss, um trotzdem seine Ziele zu erreichen. Denn vor Rio gab es ja auch Rückschläge.

 

Welche Erinnerungen verbindest du mit den Spielen in Tokio? Es waren quasi Geister-Spiele durch die Pandemie…

Laura Ludwig: Und trotzdem waren sie schön. In mir überwiegt im Rückblick das Gefühl der Zufriedenheit. Die Japaner waren ganz, ganz tolle Leute. Sie haben alles versucht, es uns trotz der Pandemie irgendwie schön zu machen. Wir sind dann im Viertelfinale nach einem guten Spiel ausgeschieden, haben also keine Medaille geholt. Aber wir haben alles gegeben. Deshalb war ich auch mit diesen Spielen glücklich.

 

Dein Mann ist ein renommierter Beachvolleyball-Trainer. Wie groß ist die Gefahr, dass man sich auch privat nur noch mit dieser Sportart beschäftigt?

Laura Ludwig: Als er noch mein Headcoach war, sind wir schon mal aneinander geraten. Ich musste lernen, mich zu öffnen für seinen Weg. Irgendwann habe ich dann gemerkt, wieviel er draufhat. (lacht) Wir mussten dann beide lernen, Privates und Berufliches daheim zu trennen und manchmal Dinge loszulassen. Aber wir werden künftig auch nicht mehr in der Formation Headcoach/Spielerin zusammenarbeiten. Er wird sich jetzt noch um meine Trainingssteuerung bei der Athletik kümmern, dann wieder seiner Profession nachgehen.

 

Beachvolleyball verbinden viele mit Sonne und Party. Wie hart man in diesem Sport trainieren  muss, wird oft vergessen.

Laura Ludwig: Ich glaube, dass sich das in den vergangenen Jahren geändert hat. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sehen, wie viel Arbeit dahinter steckt, um ein Spitzenniveau zu erreichen. Ich glaube, die Mischung ist perfekt. Eine Sportart, die Party und Höchstleitung verbindet.

Laura Ludwig und Kira Walkenforst beim Volleyballspielen am Strand

Laura Ludwig und Kira Walkenforst am Strand © Mirja Geh

Kaum jemand weiß, dass du mit 18 Jahren einen leichten Schlaganfall im Training erlitten hast. Beschäftigt dich das noch?

Laura Ludwig: Nein. Ich habe auch Glück im Unglück gehabt. Mein erster Gedanke war damals, dass ich wieder zurück aufs Feld will und meine Muskeln nicht verloren gehen dürfen. In den Monaten danach hatte ich noch den einen oder anderen Panikanfall, wenn mein linker Arm oder meine Zunge irgendwie gekribbelt haben. Aber das war später nie wieder ein Thema für mich.

 

2024 stehen die Olympischen Spiele in Paris an. Es könnten nach Peking 2008, London 2012, Rio 2016 und Tokio 2021 deine fünften Spiele werden, eine sagenhafte Bilanz.

Laura Ludwig: Natürlich habe ich Paris im Visier. Aber wie schon gesagt: Ich will das langsam angehen lassen, zunächst an meiner Physis, an meiner Athletik arbeiten. Nach Teos Geburt wollte ich im Rückblick mit der Perspektive auf die Spiele in Tokio zu viel. Ich wollte mit aller Macht an die Erfolge von 2016 und 2017 anknüpfen. Das hat auch zu Frust geführt, weil es mir nicht schnell genug gehen konnte. Ich wollte perfekt sein, als Mutter und als Athletin. Ich muss nun umdenken und etwas entspannter werden. Wobei ich natürlich weiter Gas geben werde. Ich will zurück an die Weltspitze.

 

Lass' uns noch über dein Buch „Gold ist eine Glaubenssache“ reden. Wie fordernd ist die Arbeit an einer Biografie?

Laura Ludwig: Anstrengender als gedacht. Am Anfang war mir der Gedanke peinlich, meine Biografie aufzuschreiben. Doch dann waren die Gespräche mit meiner Co-Autorin Alexandra Muz Huber, die ich seit vielen Jahren kenne, sehr spannend. Nicht nur, weil wir über vieles gesprochen haben, was schon sehr lange zurückliegt. Sondern weil ich auch ihre Gedanken dazu hören wollte. Jetzt bin ich richtig glücklich über dieses Buch. Es gibt nichts Schöneres, als sein ganzes Leben einfach mal schwarz auf weiß zu haben. Mit allen Erfolgen, Rückschlägen und inneren Krisen. Ich hoffe, dass ich damit auch die Leserinnen und Leser inspirieren kann.

Buchcover von Laura Ludwigs Biografie Gold ist eine Glaubensfrage

Gold ist eine Glaubensfrage: In ihrer Autobiografie erzählt Laura Ludwig ihre einmalige Erfolgsgeschichte, wie sie sich bis in die absolute Weltspitze hocharbeitete. Ludwig berichtet voller Leidenschaft von der Liebe zu ihrem Sport und ihren größten Erfolgen, schreibt aber auch ohne Vorbehalte über schmerzliche Niederlagen, Rückschläge und die Überwindung von Krisen.

Paperback. 272 Seiten. 19,95 EUR